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Berufsvorbereitung

Jugendliche und junge Menschen in den berufsvorbereitenden Maßnahmen empfinden die Übergangsphase von der Schule in die Ausbildung(-ssuche) als sehr herausfordernd. Die Entwicklung der eigenen Identität und die Findung der sozialen Rolle werden durch mangelnde Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt und unklare Aussichten auf eine berufliche Zukunft erschwert: "…manchmal nicht einmal die Chance auf einen Ausbildungsplatz…", "…es interessiert keinen, was man macht…"

Hohe Erwartungshaltungen im familiären Umfeld, die sich u.a. über gesellschaftliche Leitbilder und Ansprüche sowie von Lehrenden als auch von Arbeitgeber_innen im Selbstbild verankern, führen aus der subjektiven Sicht der Befragten zu Verstimmungen wie Frustration, Enttäuschung und Lustlosigkeit. Diese können wiederum mit einer Demotivation, sich für die eigene berufliche Zukunft zu engagieren, einhergehen. Die unsichere Übergangssituation ruft Auswirkungen wie Antriebslosigkeit, Ängste, Schlafstörungen und Kopfschmerzen hervor.

In der Übergangsphase dominieren Fragen der persönlichen Selbstfindung, des Herausfindens von beruflichen Interessen und der Beschaffung von Informationen über Berufe und Betriebe. Die Identifizierung des eigenen Berufswunsches und die Suche nach einem passenden Praktikumsplatz nehmen in der Berufsvorbereitung einen hohen Stellenwert ein.

Als hilfreich wurden individuelle Gespräche mit Lehrenden oder externen Personen (Berater_innen, Psycholog_innen) über die persönliche Situation und die gemeinsame Entwicklung von realistischen Zukunftszielen empfunden. Geschätzt werden Lehrende, die den jungen Menschen eine wertschätzende Haltung entgegenbringen.

In der Berufsvorbereitung fühlen sich die jungen Menschen durch Wertschätzung und Anerkennung ihrer Erfolge durch Lehrende und Anleiter_innen bestärkt. Ebenso wird das Engagement der Lehrenden bei der individuellen Suche nach einem Praktikumsplatz als hilfreich empfunden. Haben die Jugendlichen Vertrauen zu einer Lehrperson entwickelt und nehmen diese aufgrund ihrer wertschätzenden Grundhaltung an, fällt es ihnen leichter, über persönliche Probleme zu sprechen. Die Jugendlichen wünschen sich die Möglichkeit zur Mitgestaltung von Unterrichtsstunden, um sich mit ihren persönlichen Bedürfnissen einbringen zu können.

Die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz und kreative sowie bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten in den Maßnahmen werden von den jungen Menschen gewünscht.

Durch die Ergebnisse der Bedarfserhebung wird sichtbar, dass junge Menschen sich seelisch wohl fühlen, wenn sie:

  • die Möglichkeit zur Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen erhalten
  • ihnen Lehrende und/oder potenzielle Arbeitgeber_innen während des Orientierungsprozesses mit Wertschätzung und Anerkennung begegnen
  • mehr Chancen zur Verwirklichung eigener Ideen erhalten
  • lernen ihre persönlichen Potenziale zuerkennen und in Erfolge umzuwandeln
  • mehr Partizipation im Schulalltag z.B. in Form einer Mitwirkung an Unterrichtsinhalten oder in der Projektarbeit erleben würden

Hochschule

Fokusgruppenteilnehmer_innen beschreiben den Einstieg ins Studium als eine Phase, in der sie vor vielfältige Herausforderungen zur gleichen Zeit gestellt werden. Neben Studieninhalten dominieren in den ersten Semestern Fragen der Orientierung, Finanzierung und Studienorganisation. Neuer Wohnort sowie veränderte Lebensverhältnisse und Alltagsstrukturen wirken sich für viele Student_innen auf das persönliche Wohlbefinden aus. Ebenso beeinflussen die Sehnsucht nach Familie und Freunden sowie ein Mangel an Freizeit und Erholungsphasen die Zufriedenheit negativ. Darüber hinaus sind bei einigen Studierenden in der Anfangszeit Unsicherheiten hinsichtlich der Studien- und Hochschulwahl festzustellen.

Sowohl Über- als auch Unterforderung wurden in den Gesprächen seitens der Studierenden als belastend erwähnt. Die eingeschränkte Vereinbarkeit von Studium und Erwerbsarbeit wird als durchgehende Belastung empfunden. Auch das Knüpfen neuer sozialer Netzwerke im Studium fällt Einigen schwer.

Stabile soziale Beziehungen und der gemeinsame Austausch mit Kommiliton_innen bieten emotionalen Rückhalt. Ebenso wurden bewusst genommene Auszeiten, wie z.B. durch eine Verlängerung der Studienzeit oder erholsame Freizeitaktivitäten, als persönlich aufbauend erlebt. Ein hohes Maß an Selbstorganisation, Arbeitsdisziplin und Eigenverantwortung hilft aus der Sicht der Befragten bei der Bewältigung der Studienanforderungen. Außerdem nannten Studierende eine abgesicherte Studienfinanzierung als einen wichtigen Faktor für ihr seelisches Wohlbefinden.

Belastungen äußern sich in Form körperlicher und psychischer Erschöpfungserscheinungen (z.B. Schlafmangel, Rückenschmerzen, Frustration): "…hab nie viel geschlafen, 3-4 Stunden…", "…ich war müde und kaputt". Solche Beschwerden werden von den Studierenden besonders in stressigen Phasen ignoriert, nicht wahrgenommen: "…ich hatte keine Zeit, um krank zu werden…".

Die Befragten berichten über bestehende Unterstützungsangebote an der Hochschule. Diejenigen, die diese kennen bzw. bereits in Anspruch genommen haben, fühlen sich dadurch persönlich gut aufgehoben im Studium. Diejenigen, denen die Beratungsstellen und Workshop-Angebote weniger bekannt waren, wünschten sich eine Infobroschüre oder ein Handbuch mit einer Zusammenfassung aller Informationen rund um die Hochschule. Daneben äußerten einige Student_innen, dass der Zugang zu direkten Ansprechpartnern/Mentoren, die sich mit dem entsprechenden Studiengang auskennen, ihren Studienalltag erleichtern würde.

Durch die Ergebnisse der Bedarfserhebung wird deutlich, dass Studierende sich seelisch wohl fühlen, wenn:

  • sie ihr Studium mit der persönlichen Lebenssituation in Einklang bringen können
  • sie das Studium in einem vorgesehnen Zeitraum absolvieren können
  • ihnen genug Freizeit für soziale Aktivitäten und persönliche Entspannung bleibt
  • sie Balance zwischen Studienanforderungen und individuellen Zeitressourcen schaffen können
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